Der eine oder andere hat vielleicht schon davon gehört, dass Dresdens Touristenzahlen im Jahr 2015 „eingebrochen“ sind. Weil es 2015 im Gegensatz zu 2014 Pegida gab, stellten ZEIT, SPIEGEL, WELT und BILD in reißerischen Überschriften sofort klar: Das war der Pegida-Effekt! Die Geschäftsführerin der DresdenMarketing GmbH (DMG) gab noch zum Besten, sie hätte gehört, dass sich Gäste bewusst gegen einen Dresden-Besuch entschieden hätten. Das ist der Stoff aus dem Märchen gemacht sind! Weil ich einen Rückgang der Übernachtungen von 2,3% gegenüber dem Vorjahr für nicht signifikant halte, hat das Thema mein Interesse geweckt und ich habe mir die Daten genau angesehen.

Flut 2013

2013 wütete in Dresden eine Flut, die laut offiziellem Bericht „in der Tourismusbranche zu erheblichen direkten und indirekten Schäden führte“. Die Branche habe „zahlreiche Stornierungen und zurückgehende Anmeldungen teilweise bis in die Herbstsaison hinein“. Der Knick ist deutlich sichtbar:

Entwicklung von Ankünften und Übernachtungen (in Mio.) gemäß offizieller Zahlen

Hätte es keine Flut (und damit keine Stornierungen) gegeben, dann könnten wir einen Trend annehmen, den ich als Strichlinie ergänzt habe. In diesem Szenario wäre das Wachstum im Tourismus bereits von 2013 auf 2014 abgefallen – und damals war Pegida noch kein Thema. Besucher, die ihren Urlaub im Folgejahr 2014 nachholten, müssten wir herausrechnen und würden bereits seit 2013 von Stagnation oder gar Rückgang am Interesse von Reisen nach Dresden sprechen.

Sättigung im Tourismus

Apropos Rückgang: Häufig wurde berichtet, dass Pegida gerade die inländischen Besucher vergraulen würde. Bei 1,5 Mio. Besuchern pro Jahr stelle ich mir eher die Frage, welcher Deutsche noch nicht in Dresden war. Folgerichtig lässt sich schlussfolgern, dass die Besucherzahlen mit der Zeit sinken müssen.

Beherbergungssteuer in Dresden

2015 wurde die Beherbergungssteuer eingeführt. Für einige Besucher werden die Mehrkosten zum Tropfen, der das Faß überlaufen lässt. Andere Domizile werden für sie attraktiver. Klingt das nicht irgendwie plausibel? Wird von den Medien aber mit keiner Silbe erwähnt!

Statistische Unschärfe

Bleibt noch das Thema Datenbasis. Aus deren Erläuterung geht hervor, dass in der Statistik nur auftaucht, wer eine entsprechende Unterkunft wählt. Fragen die Besucher vermehrt kleine Unterkünfte für weniger als 10 Besucher (z. B. private Ferienwohnungen) an, fallen sie aus der Statistik heraus. Tatsächlich sind die Besucherzahlen demzufolge höher als in der Statistik angegeben.

Fazit zum Pegida-Effekt

Pegida ist mir relativ egal – Fahrlässige oder gar vorsätzliche Falschmeldungen in den Medien ärgern mich aber sehr. Dass man den Meldungen keinesfalls immer trauen kann, sollte klar geworden sein. Dresden ist eine schöne Stadt und auch dann noch eine Reise wert, wenn sich hin und wieder Menschenaufläufe in der Stadt bilden. Wer weiß, vielleicht reisen sogar einige Touristen nach Dresden, nur um dieses Spektakel live zu sehen 😉